Microlearning + Gamification
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Einmal gelernt und schon wieder vergessen

Hier lernen Sie etwas, was Sie vermutlich in einer Woche schon wieder vergessen haben: die Ebbinghaus’sche Vergessenskurve. Schon vor über 100 Jahren hat dieser deutsche Psychologe festgestellt, dass wir nach kurzer Zeit das Gelernte zum grössten Teil wieder vergessen. Nach der Lernkurve kommt unweigerlich die Vergessenskurve. Dieser Artikel erklärt die Hintergründe und zeigt Möglichkeiten auf , wie man der Vergessenskurve ein Schnippchen schlagen kann.

Gelerntes  –  so wenig erinnern wir davon …

  • Nach rund 20 Minuten haben wir frisch Gelerntes bereits zu 40 Prozent wieder verlernt.
  • Nach einer Stunde sinkt die Halbwertzeit des Wissens bereits auf 45 Prozent
  • nach einem Tag erinnern wir allenfalls noch ein Drittel (34 Prozent) der eingeprägten Inhalte.
  • Nach nur sechs Tagen ist unser Erinnerungsvermögen auf 23 Prozent geschrumpft – auf lange Sicht behalten wir gerade mal 15 Prozent des Erlernten.

Diese Zahlen stammen von Hermann Ebbinghaus (1859 – 1909). Bei einem Experiment lernte er Listen mit ca. 15 frei erfundenen Silben (z.B. NAK, DIB, DAF). Zu verschiedenen Zeitpunkten danach wurde gemessen, wie viele Silben Ebbinghaus noch wiedergeben konnte.

Ebbinghaus’sche Vergessenskurve [1]: Warum vergessen wir?

Tatsächlich ist das Vergessen enorm davon abhängig, was wir zu lernen versuchen. Den eigenen Geburtstag, die Handynummer der Freundin, die URL karrierebibel.de – das alles kann man sich leicht merken.

  • Aber schon bei Hochzeitstag, Kontonummer oder PIN bekommen viele Probleme:
  • Angeblich behalten Schüler nach drei bis sechs Tagen noch bis zu 90 Prozent der erlernten Vokabeln im Kopf.

Der stärkste Abfall des Vergessens findet in den ersten Stunden statt. In den darauffolgenden Tagen tritt nur noch ein geringer Verlust auf.

Beim Versuch, das Vergessen zu mildern, ist Ebbinghaus auf Faktoren gestoßen, welche die Kurve beeinflussen können: Vorwissen, Talent, Interessen, Lernkontext, emotionale Faktoren.

Die neuronale Geschwindigkeit, also das Tempo, wie schnell Ihr Gehirn Synapsen (Verbindungen) aufbaut, ist individuell unterschiedlich.

Davon abhängig ist die Notwendigkeit der Wiederholungen. „Neuronal Langsame“, wie Vera F. Birkenbihl sie nennt, müssen öfter wiederholen, Verstandenes bleibt aber länger erhalten.

Individuelle Anpassung für „Neuronal Schnellere“ und Neuronal Langsamere“

Versuchen Sie zuerst den Durchschnitt, also 3 Wiederholungen über einen Zeitraum von etwa 2 Wochen.

In dieser Zeit merken Sie selbst, ob diese Anzahl an Wiederholungen ausreichend war oder ob Sie doch 4 oder 5 Mal wiederholen sollten.

Die Studie von Ebbinghaus stellt den Durchschnitt der Menschen dar – d.h. also, dass das Modell für Sie gegebenenfalls angepasst werden sollte.

Jedoch haben diese Faktoren nur einen geringen Einfluss auf die Kurve. Die einzige Lösung, um das Vergessen zu verringern, war bereits den Lateinern bekannt:

“Repititio est mater studiorum”

(Die Wiederholung ist die Mutter des Studierens).

Der Inhalt wird zum ersten Mal gelernt. Danach lassen Sie ihn „ruhen“ und nehmen dadurch bewusst in Kauf, dass Einiges verloren geht.

Am nächsten Tag führen Sie die 1. Wiederholung durch und bringen Ihren Wissensstand wieder auf 100%. Bei den Inhalten, die Sie gewusst haben, ist der Abfall der Vergessenskurve nicht mehr so steil wie nach dem ersten Lernen.

Sie können also einen längeren Zeitraum verstreichen lassen, ehe Sie wieder mit einer weiteren Wiederholung die verlorenen Inhalte einfangen.

Je öfter Sie (speziell am Anfang) wiederholen, desto schneller gelangt das Erlernte in das Langzeitgedächtnis.

Fazit: Wiederholen Sie alles (jede Lektion, jede De-Kodierung…) mindestens 3 Mal, um den Großteil im Langzeitgedächtnis abzuspeichern.

Die Funktionsweise des Gehirns

a)  Lernkanäle

Das menschliche Gehirn ist ein Wunderwerk und zu Außerordentlichem im Stande. Dennoch ist seine Kapazität und seine Funktionalität begrenzt.

Die Neurowissenschaft jedoch bringt Erkenntnisse über die Funktionen des Gehirns hervor, die auch beim Lernen eine Rolle spielen und anhand derer Lernmethoden entwickelt werden, die die Effektivität des Lernens enorm steigern können.

Über die Sinnesorgane nehmen wir Informationen auf, die im Gehirn verarbeitet und gespeichert werden.

Je nach Qualität der Informationen speichern wir diese im Kurz-, Ultrakurz- oder im Langzeitgedächtnis ab.

Wie lange wir eine Information speichern, hängt nicht nur von deren Wichtigkeit für uns ab, sondern zunächst davon, wie die Information überhaupt erst ins Gehirn gelangt ist.

Bei der Wahrscheinlichkeit des Behaltens von Informationen unterscheidet man grob:

Hieraus ergeben sich zunächst zwei wichtige Folgerungen fürs Lernen.

  1. Aktive Informationsaufnahme (z.B. nacherzählen) ist effektiver als passive (z.B. sehen).
  2. Je mehr Kanäle bei der Informationsaufnahme gleichzeitig angesprochenwerden, desto eher wird diese Information behalten. Wer jemand anderem etwas erklären will, muss dies zuvor selber verstanden, also z.B. gelesen oder gehört haben.

Wer etwas ausprobiert oder anwendet, verknüpft mit der eigentlichen Information bereits den gesamten Geschehensablauf, weshalb das Ergebnis im Gehirn fester verankert wird, als hätte er dasselbe Ergebnis lediglich bei jemand anderem beobachtet.

b) Lerntyp

Entsprechend der Lernkanäle unterscheidet man auch den Lerntyp. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen dem visuellen Typ, dem auditiven Typ und dem haptischen Typ.

visueller Typ

Gesehenes wird gut behalten, da die optische Information vom Gehirn besonders gut umgesetzt wird.

auditiver Typ

Gehörtes wird gut behalten, da die akustische Information vom Gehirn besonders gut umgesetzt wird.

haptischer Typ

Es werden besonders gut diejenigen Informationen behalten, die durch eine Interaktion aufgenommen werden, also z.B. dadurch, dass man eine Aufgabe selbst löst, jemandem etwas erklärt usw.

Während also einer besser behalten kann, was er hört, fällt es einem anderen leichter, ein Schaubild wiederzugeben. Um für sich die beste Lernmethode zu finden, ist es wichtig, herauszufinden, wie intensiv man auf welche Reize reagiert.

Fällt es Ihnen also leichter, den Stoff zu behalten, wenn sie einem Dozenten zuhören oder ein Audiobuch hören, oder wenn sie alleine für sich den entsprechenden Abschnitt in einem Lehrbuch lesen? Oder erschliesst sich der Stoff für Sie leichter, wenn Sie ihn übersichtlich anhand eines Schaubildes betrachten?

c) Lernkurve/Vergessenskurve – Warum vergessen wir?

Die Lernkurve gibt den Lernerfolg im Verhältnis zur aufgewandten Zeit an. Eine Fähigkeit nimmt zu, wenn man sie immer wieder anwendet, bzw. Wissen festigt sich, wenn man dieses kontinuierlich vermehrt.

Was beim ersten Mal noch schwer erscheint, wirkt beim hundertsten Mal routiniert. Der Einstieg in ein neues Themengebiet ist oft recht mühselig, besteht erst mal ein gewisses Grundwissen und Grundverständnis zu dem Thema, lässt es sich durch konkreteres Fachwissen leichter anfüllen. Lernerfolg stellt sich also erst mit der Zeit ein.

Die Vergessenskurve hingegen gibt den Grad des Vergessens in Abhängigkeit der Zeit an.

Wenden wir eine einmal entstandene Fähigkeit nicht mehr an, entwickelt sie sich zurück.

Was für den Muskelaufbau gilt, gilt auch und gerade für das Lernen. Wissen muss angewendet werden, im Idealfall sogar vermehrt werden, sonst nimmt es ab.

Unser Gehirn wird im Alltag mit Reizen und Informationen regelrecht überflutet, von denen die allermeisten keine größere Bedeutung haben. Deshalb landen fast alle dieser Informationen auch nur im Ultrakurzzeitgedächtnis und sind bereits nach kurzer Zeit nicht mehr abrufbar.

So heißt es, dass man nach etwa einer Stunde bereits ungefähr die Hälfte des Gelernten wieder vergessen hat, nach einem Tag bereits Zweidrittel und nach einer Woche rund 75-80%.

Deshalb ist es wichtig, das Gelernte durch Wiederholung und Anwendung im Gehirn zu festigen und kontinuierlich zu lernen.

TIPP: Nutzen Sie möglichst mehrere Kanäle, um Wissen aufzunehmen. Je aktiver Sie mit dem Stoff umgehen, desto besser bleibt er im Gedächtnis haften. Analysieren Sie ihren eigenen Lerntyp und passen Sie Ihre Lernstrategie hieran an – nicht umgekehrt. Halten Sie sich vor Augen, dass „aller Anfang schwer ist“. Wenn die Grundlagen sitzen, fällt das Detailwissen verhältnismäßig leicht.

d) die Eigenschaft des zu lernenden Stoffes – ganz schön schwere Kost?

Den meisten Menschen fällt es leichter, sich Stoff zu merken, der rational leicht erklärbar, intuitiv verständlich und visuell vorstellbar ist. Wohingegen abstrakte Dinge oft schwieriger zu verstehen und zu behalten sind.

Stoff mit großem Praxisbezug bleibt eher haften als reine     Theorie.

Analysieren Sie daher den zu lernenden Stoff, und verschaffen Sie sich einen Überblick darüber, mit welcher Art von Wissen bzw. Lernstoff Sie es zu tun haben. Dadurch lässt sich besser planen, wie mit dem Stoff umzugehen ist.

Dr. Dietmar F. Horch

BGM Expeerts GmbH

Partner von Prime-Competence gmbh,      zürich

[1]   Literatur: Hermann Ebbinghaus hat seine Studien im 1885 veröffentlichten Buch „Über das Gedächtnis. Untersuchungen zur experimentellen Psychologie“ (Memory: A Contribution to Experimental Psychology) zusammengefasst.

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